Der Dezember beginnt – und mit ihm öffnet sich das erste Türchen unseres virtuellen Adventkalenders. In einer Zeit, in der alles schneller, lauter und hektischer zu werden scheint, lohnt es sich, innezuhalten und den Blick auf kleine sprachliche und kulturelle Schätze zu richten. Jede Redewendung, jeder Ausdruck trägt eine Geschichte in sich – und gerade in der stillen Adventzeit dürfen wir ihnen besondere Aufmerksamkeit schenken.
Beginnen wir also mit einer Weisheit, die genau jetzt besser passt als je zuvor: „Abwarten und Tee trinken."

Bedeutung

Die Wendung „Abwarten und Tee trinken" erinnert uns daran, ruhig zu bleiben, nichts zu überstürzen und den Dingen ihren Lauf zu lassen. Sie wird verwendet, wenn Hektik oder Nervosität wenig nützen – stattdessen ist Gelassenheit gefragt. Wer „Tee trinkt", der nimmt sich bewusst eine Pause, atmet durch und vertraut darauf, dass sich Probleme oft von selbst klären.

Herkunft

Der Ursprung der Redewendung wird häufig mit dem Schafhirten und Kräuterheilkundigen Heinrich Ast aus dem 18./19. Jh. in Verbindung gebracht. Ast soll seine ungeduldigen Patienten mit genau diesen Worten beruhigt haben: Sie sollten sich ins Bett legen, Kräutertee trinken und geduldig auf die Wirkung der Heilkräuter warten. Eine einfache, aber wirkungsvolle Kombination aus Ruhe, Wärme und Zeit – und aus dieser Praxis heraus entwickelte sich schließlich der geflügelte Satz.

Erklärung

Im 19. Jh. wurde Tee – vor allem Kräutertee – gezielt als Mittel gegen Nervosität empfohlen. In einer Zeit, in der die moderne Medizin noch in den Kinderschuhen steckte, galt Tee als sanftes und allgemein zugängliches Heilmittel. Die beruhigende Wirkung bestimmter Kräuter wie Melisse, Kamille oder Baldrian war bekannt, und so wurde das „Tee trinken" schnell zur alltäglichen Empfehlung bei Stress, Unruhe oder nervösem Herzklopfen. Das Warten selbst wurde zum Teil der Therapie: Wer Tee trinkt, kann nicht gleichzeitig hetzen. Die Wärme in den Händen, der Duft der Kräuter und das bewusste Innehalten schaffen genau jene Ruhe, die der Körper braucht, um sich zu regenerieren.

Abwarten und Tee trinken

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Wusstest du, dass…?

Die Geschichte des Teetrinkens reicht mindestens 2.200 Jahre zurück. Archäologische Funde aus einem chinesischen Kaisergrab der Han-Dynastie (2. Jh. v. Chr.) enthalten eindeutig identifizierte Teeblätter – der älteste sichere Beleg für Tee als Getränk und Heilmittel.