Das Thermometer zeigt in vielen Teilen Österreichs wieder deutlich über 35 °C. Klimaanlagen laufen auf Hochtouren, kalte Getränke sind begehrt und viele Menschen suchen nach Möglichkeiten, ihre Wohnungen kühl zu halten. Doch wie gelang das in einer Zeit, als es weder Strom noch Kühlschränke oder Klimaanlagen gab? Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass bereits vor Jahrtausenden erstaunlich ausgeklügelte Lösungen entwickelt wurden.
Mesopotamien – Kühlung durch Physik

Bereits vor mehr als 4.000 Jahren mussten sich die Bewohner Mesopotamiens an das heiße Klima zwischen Euphrat und Tigris anpassen. Die Sommer waren lang und trocken, Temperaturen von über 40 °C keine Seltenheit.
Die wichtigste Methode zur Kühlung von Getränken beruhte auf einem einfachen physikalischen Prinzip: der Verdunstungskälte. Wasser wurde in unglasierte Tonkrüge gefüllt. Da die Gefäße porös waren, drang ständig eine geringe Menge Wasser durch die winzigen Poren an die Außenseite des Gefäßes. Dort verdunstete das Wasser. Für diesen Vorgang wird Energie benötigt, die dem Tonkrug und seinem Inhalt entzogen wird. Dadurch kühlte sich das Wasser im Inneren deutlich ab und blieb selbst an heißen Tagen angenehm frisch.
Dieses Prinzip funktioniert bis heute und kann Wasser je nach Luftfeuchtigkeit um mehrere Grad abkühlen. Je trockener die Luft ist, desto stärker fällt der Kühleffekt aus – ideale Voraussetzungen also für das Klima Mesopotamiens.
Auch die Architektur war auf die Hitze abgestimmt. Häuser bestanden aus dicken Lehmziegeln, die sich nur langsam erwärmten und tagsüber ein vergleichsweise angenehmes Raumklima ermöglichten. Kleine Fenster verhinderten das Eindringen direkter Sonneneinstrahlung, während Innenhöfe für Luftzirkulation sorgten. In besonders heißen Sommernächten schliefen viele Menschen sogar auf den flachen Dächern ihrer Häuser.
Griechenland – Mit Architektur gegen die Hitze
Auch die Griechen entwickelten ihre Städte und Häuser so, dass sie möglichst wenig unter der Sommerhitze litten. Helle Fassaden reflektierten das Sonnenlicht, während Innenhöfe und überdachte Säulengänge Schatten spendeten und die Luft zirkulieren ließen.
Lebensmittel wurden häufig in kühlen Vorratsräumen oder teilweise eingegraben gelagert. Wasser und Wein bewahrte man in Amphoren oder Tonkrügen auf, deren poröse Wände ebenfalls die Verdunstungskühlung nutzten. Wohlhabende Griechen konnten sich sogar Schnee aus den Bergen leisten, um Getränke zu kühlen – ein Luxus, der später von den Römern noch weiter perfektioniert wurde.

Ausgegrabene Dolia
© https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=8841312
Rom – Schnee aus den Alpen für den Sommer

Rekonstruktionsversuchs eines Eiskellers
Die Römer verfügten über ein beeindruckendes Logistiknetz und machten sich dieses auch für die Kühlung zunutze. Im Winter wurde Schnee in den Alpen oder den Apenninen gesammelt, stark verdichtet und mit isolierenden Materialien wie Stroh, Farn oder Laub bedeckt. Anschließend transportierte man ihn in gut isolierten Wagen oder Tragekörben in tiefere Lagen und schließlich bis in die Städte.
Dort lagerte der Schnee in sogenannten Nivarien oder Eisgruben. Diese waren tief in den Boden eingelassen und zusätzlich mit Stroh oder anderen isolierenden Materialien ausgekleidet. Durch die Kombination aus Erdreich, Isolation und der kompakten Lagerung des Schnees konnte dieser erstaunlich lange erhalten bleiben. Wohlhabende Römer kühlten damit Wein, Wasser oder bereiteten sogar einfache Vorläufer heutiger Sorbets zu.
Wie effizient diese Methode tatsächlich war, zeigte ein experimentell-archäologisches Projekt in der Schweiz. Dort wurde eine historische Eisgrube nach archäologischen Erkenntnissen rekonstruiert und im Winter mit Schnee gefüllt. Trotz sommerlicher Temperaturen blieb ein Teil des Schnees bis in den August erhalten. Das Experiment bestätigte eindrucksvoll, dass solche Lagerstätten tatsächlich geeignet waren, über viele Monate hinweg Eis zu konservieren – ganz ohne moderne Technik.
Auch die römische Architektur trug zu einem angenehmen Raumklima bei. Atrien und Peristyle sorgten für Luftbewegung, Brunnen erhöhten die Verdunstung und schufen ein kühleres Mikroklima innerhalb der Häuser.
Persien – Die wohl erste Klimaanlage der Welt
Besonders beeindruckend waren die technischen Lösungen im antiken Persien. Dort entstanden bereits vor über 2.000 Jahren Bauwerke, die man durchaus als Vorläufer moderner Klimaanlagen bezeichnen kann.
Die sogenannten Badgirs, auch Windtürme genannt, ragten weit über die Dächer hinaus. Sie fingen selbst schwache Luftströmungen ein und leiteten diese durch Schächte in das Gebäude. Oft strömte die Luft dabei über Wasserbecken oder unterirdische Wasserkanäle. Durch die Verdunstung des Wassers kühlte sich die Luft zusätzlich ab, bevor sie in die Wohnräume gelangte. Gleichzeitig wurde warme Luft nach oben abgeführt, wodurch ein natürlicher Luftaustausch entstand.
Ergänzt wurde dieses System durch Qanate, kilometerlange unterirdische Wasserkanäle, die kaltes Grundwasser aus den Bergen in die Städte leiteten. Gemeinsam mit den Windtürmen sorgten sie selbst bei extremen Außentemperaturen für erstaunlich angenehme Innenräume.
Für die Lagerung von Eis und Lebensmitteln entwickelten die Perser außerdem die berühmten Yakhchals – riesige kuppelförmige Eislager aus speziellem Lehm. In ihnen konnte im Winter gewonnenes Eis den gesamten Sommer über erhalten bleiben.

Das Mittelalter – Bewährte Methoden lebten weiter

Auch im Mittelalter griff man auf viele dieser bewährten Techniken zurück. Klöster, Burgen und wohlhabende Haushalte verfügten über tiefe Keller, deren Temperaturen das ganze Jahr über vergleichsweise konstant blieben. Dort lagerte man Lebensmittel, Getränke und empfindliche Vorräte.
Tonkrüge wurden weiterhin zur Kühlung von Wasser verwendet, während Brunnen und fließende Bäche genutzt wurden, um verderbliche Lebensmittel möglichst kühl aufzubewahren. In den Alpen wurde Schnee in Gruben eingelagert und mit Stroh isoliert. Diese Vorräte konnten vielerorts bis weit in den Sommer hinein genutzt werden.
Die Geschichte zeigt eindrucksvoll, dass Menschen schon lange vor der Erfindung elektrischer Kühlsysteme äußerst kreative Lösungen fanden, um der Sommerhitze zu begegnen. Viele dieser jahrtausendealten Techniken – von der Verdunstungskühlung über natürliche Belüftung bis hin zu gut isolierten Bauweisen – erleben heute im nachhaltigen Bauen und in der Klimaanpassung eine bemerkenswerte Renaissance. Gerade angesichts zunehmender Hitzewellen lohnt sich deshalb ein Blick in die Vergangenheit, denn manche der ältesten Ideen könnten auch zu den nachhaltigsten Lösungen für die Zukunft gehören.

Hinterlassen Sie einen Kommentar