Heute vor 30 Jahren wurde die Gletschermumie „Ötzi“ entdeckt. Der „Mann aus dem Eis“ gibt bis heute noch viele Rätsel auf, ist aber gleichzeitig unser „Fenster in die Steinzeit“. Durch seine Erforschung bekommen wir einen Einblick in den Alltag in einer weitentfernten und schwer vorstellbaren Welt.

Die ledernen Überreste von Ötzi wurden durch Sonne, Wind und Kälte mehr als 5.000 Jahre lang konserviert und wurden schnell zu einer weltweiten Sensation. Sie waren Gegenstand unzähliger Bücher oder Dokumentarfilme und sogar eines Spielfilms, der sein Leben im neolithischen Europa und seinen gewaltsamen Tod rekonstruiert.

Der Fund

Die zwei Bergwanderer Erika und Helmut Simon haben auf 3.208m eine Mumie gefunden, die bis heute die Wissenschaftler beschäftigt. Ötzi, wie sie durch Journalisten nach den Ötztaler Alpen benannt in denen er gefunden wurde, ist ein Sensationsfund wie man ihn nur selten findet. Doch zu diesem außergewöhnlichen archäologischen Schatz wurde er erst eine Woche nach Bergung, denn sein Wert und das Besondere an ihm war am Anfang keinem klar. Man vermutete einen verunglückten Bergsteiger. Die Bergungsmethoden waren mit Pickel durchgeführt und so wurde die Mumie vom Eis befreit und um sie dann zu transportieren, wurden ihr Gliedmaßen gebrochen. Die geplante Einäscherung wurde zum Glück nicht durchgeführt! Erst in einem weiteren Gutachten wurde die Mumie als „alt“ eingestuft und wurde auf ca. 4.000 Jahre geschätzt. Heute wissen wir, dass Ötzi in der Steinzeit kurz vor der Bronzezeit lebte und wird derzeit auf 5.300 Jahre geschätzt.

ötzi

© Monamy

Steckbrief
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© Monamy

Name(n): Ötzi, Mann aus dem Eis, Man vom Tiesenjoch

Alter: 5.300 Jahre alt, ~ 3.258 (+89) v. Chr.

Lebensraum: Neolithikum / Kupfersteinzeit, Nordtiroler Ötztal / Südtiroler Schnalstal, Ötztaler Alpen

Fundort: ca. 3.208 m Seehöhe, nahe dem Tisenjoch

Todesalter: ca. 45 Jahre alt

Größe: 1,65 m, Schuhgröße: 40 – 41

Gewicht: ca. 55 kg

Beruf: Hirte, Jäger und Sammler

Todesursache: er wurde mit einer Pfeilspitze in der linken Schulter ermordet. Er ist vermutlich an dieser Verletzung verblutet. Da er nicht bestohlen wurde, geht man vom heimtückischen Mord aus.

Merkmale: sehr viele Tätowierungen

Gesundheitlicher Zustand

Er litt an Karies, Darmparasiten und schmerzenden Knien, Hüften, Schultern und Rücken. Seine 61 Tätowierungen bilden die Stellen ab, an denen seine Knochen und Gelenke Abnutzungserscheinungen zeigen (wie auch die modernen Akupunkturpunkte). Ötzi hatte sich im Laufe seines Lebens mehrere Rippen und die Nase gebrochen, und die waagrechten Rillen auf seinen Fingernägeln deuten darauf hin, dass er in den wenigen Monaten vor seinem Tod wiederholt körperlichen Belastungen ausgesetzt war, die wahrscheinlich von Unterernährung herrührten. Er hatte eine genetische Veranlagung für Arteriosklerose, und ein CT-Scan bestätigt, dass es sich bei ihm um den ältesten bekannten Fall einer Herzerkrankung der Welt handelt.

2011 wurde sein Erbgut untersucht: Das Gen für braune Augen wurde identifiziert. Er gehörte der Blutgruppe O an und hatte dunkelbraunes Haar und einen typisch mediterranen Hautton. Nach seiner DNA-Signatur gehörte Ötzi zu den neolithischen Bauern, die vor 8.000 bis 6.000 Jahren durch den Vorderen Orient zogen und die paläolithischen Jäger und Sammler in Europa ablösten. Sein mütterliches genetisches Erbe ist in modernen Populationen nicht mehr vorhanden, aber seine väterliche Linie lebt in Gruppen auf den Mittelmeerinseln, insbesondere auf Korsika und Sardinien, weiter. Weitere Informationen aus diesem Erbgut deuten darauf hin, dass Ötzi Laktose-Intolerant war. Das heißt aber nicht, dass er nicht in einer bäuerlichen Wirtschaftsform leben konnte. Des Weiteren wurden Borrelien nachgewiesen! Ötzi wurde von einer Zecke gebissen und erkrankte an Boreliose!

Seine Kleidung
Schuh

Ötzi trug nur einen einzigen Schuh, aber viele seiner Habseligkeiten wurden später in der Nähe des Fundortes gefunden. Seine Beinlinge und Mäntel – einer leichter, einer schwerer – waren aus den Häuten von Schafen und Ziegen aus der Umgebung zusammengesetzt. Seine Schuhe waren mit Wildgras gestopft und mit Auerochsenleder geschnürt. Seine Pelzmütze stammte von einem Braunbären.

Seine Ausrüstung

Der Mann aus dem Eis durchquerte die Ötztaler Alpen mit einem Rucksack aus Holz und einem Köcher aus Hirschleder mit 20 Pfeilschäften, von denen nur zwei Pfeilspitzen hatten. Sein Feuersteindolch wurde mit einem aus Lindenholz gefertigten Werkzeug und einer feuergehärteten Geweihspitze geschärft. In einem Behälter aus Birkenrinde, wie er auch heute noch in der Region hergestellt wird, befand sich glühende Holzkohle, die in frische Ahornblätter eingewickelt war und mit der er schnell ein Feuer hätte machen können.

Eines der wichtigsten Objekte ist Ötzis edles Kupferbeil. Die Klinge, die mit Rindsleder und Birkenteer an einem Eibenstiel befestigt ist, wurde aus einer Form gegossen und besteht zu 99,7 Prozent aus reinem Kupfer. Für die damalige Zeit war es ein außerordentlich wertvolles Stück, und seine Entdeckung verschob den Beginn der europäischen Kupferzeit um tausend Jahre nach hinten.

Seine Ernährung
zähne

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Analysen seines Magen-Darm-Trakts haben ergeben, dass er ca. 1h vor seinem Tod noch eine größere Mahlzeit zu sich genommen hatte. Nachdem die Forscher den Mageninhalt einer Reihe von Tests unterzogen hatten, konnten sie nun die letzte Mahlzeit bestimmen: Ötzis letzte Mahlzeit bestand aus Getreide (75 % der pflanzlichen Überreste, darunter ein mit anderen Pflanzen vermischter Dinkelbrei), Hirsch und Alpensteinbock und Spuren von giftigem Rainfarn. Wenn er in ausreichenden Mengen verzehrt wird, wird Farn mit Blutarmut bei Rindern in Verbindung gebracht. Er kann auch krebserregend wirken. Möglicherweise hat Ötzi versucht seine Magenbeschwerden damit zu lindern. Eine andere Möglichkeit ist, dass er sein Essen in Farn eingewickelt und versehentlich Stücke davon zusammen mit seinem Snack zu sich genommen hat – eine Idee, die bereits für Ötzis verschlucktes Moos vorgeschlagen wurde. Untersuchung der DNA der in seinen Eingeweiden konservierten Nahrung zeigt das Vorhandensein von Hausgetreide, was darauf hindeutet, dass er in Kontakt mit landwirtschaftlichen Bevölkerungen stand.

Die Mischung aus Getreide und Fleisch – und nur zwei fertige Pfeile in seinem Hirschhautköcher – deutet darauf hin, dass er nicht gerade eine frische Beute gegessen hatte. Stattdessen verzehrte Ötzi in den Stunden vor seinem Tod wahrscheinlich den Inhalt einer gut vorbereiteten Jause!

Seine letzten Stunden

Dank der Pollen, die Ötzi mit seiner Nahrung aufgenommen hat, können wir seine Reise nachverfolgen: in den letzten Tagen hat er größere Strecken zwischen verschiedenen Vegetationszonen hinter sich gebracht. Von der Baumgrenze (damals ca. 2.400m Höhe), dann ging es Bergab ins Schnalstal und kurz vor dem Tod ging es wieder Richtung Tisenjoch. Pollen der Hopfenbuche deuten darauf hin, dass er im Frühjahr gestorben ist.

Eine Wunde zwischen dem Daumen und dem Zeigefinger seiner rechten Hand zeigte, dass Ötzi einige Tage vor seinem Tod erstochen worden war. Es handelte sich um eine aktive Verteidigungswunde, was bedeutet, dass er wahrscheinlich versuchte, die Klinge zu ergreifen. Die Wunde heilte noch, als er erneut mit einem Pfeil angegriffen wurde, der eine Arterie in seiner hinteren linken Schulter traf. Er hatte vielleicht noch Zeit, sich hinzusetzen und zu versuchen, den Pfeil herauszuziehen, aber es ist unwahrscheinlich, dass er ihn erreichen konnte, bevor er innerhalb weniger Minuten verblutete.

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Ötzi, die älteste natürliche menschliche Mumie, hatte noch alle Organe und wurde nicht einbalsamiert. Auch heute noch können Wissenschaftler (Paläontologen, Archäologen, Mediziner, Mikrobiologen usw.) noch weitere Erkenntnisse machen. Bestimmt werden neue technische Methoden weitere Rätsel über Ötzi lösen und unser „Fenster in die Steinzeit“ immer genauer. Ötzi ist auch ein wirtschaftlicher Schatz geworden: er wird lukrativ vermarktet und ausgeschlachtet.