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288 Jahren wurde Carsten Niebuhr geboren.

Carsten Niebuhr war ein Mathematiker, Kartograf und Forschungsreisender aus Lüdingworth / Cuxhaven. Er wurde am 17. März 1733 geboren und verstarb am 26. April 1815 in Meldorf.

Er kommt aus einer wohlhabenden Bauernfamilie her, wo er jedoch nur eine begrenzte Ausbildung in der Lateinschule bekommt. Der Schwerpunkt in der Lateinschule liegt, wie der Name es sagt, im Erlenen der lateinischen Sprache. Dieses Schulsystem stammt aus dem 14. Jh.. Er interessiert sich jedoch sehr für Mathematik. 1755 zieht er nach Hamburg, wo er seine Schulausbildung abschließt.  Er schaffte es, Kurse zu belegen, um Vermessungsingenieur zu werden. 1760 bat ihn einer seiner Lehrer, sich dem wissenschaftlichen Erkundungsteam anzuschließen, das König Friedrich V. von Dänemark nach Ägypten, Arabien und Syrien zu schicken bereit war.

Carsten Niebuhr, nach einem Kupferstich von Carl Christian Glassbach (1751–ca. 1793)  (© Wikimedia, gemeinfrei)

Portrait von Frederik V. von Carl Gustaf  (© Wikimedia, gemeinfrei)

Friedrich V. (31.03.1723 – 14.01.1766) lebt eine friedliche Regentschaft. Der König war offen für wirtschaftliche, soziale und künstlerische Innovationen. Er gründet die Königlich Dänische Akademie der Schönen Künste in Kopenhagen, die am 31. März 1754 offiziell eröffnet wurde. Seine letzten Worte waren angeblich: „Es ist mir ein großer Trost in meiner letzten Stunde, dass ich nie jemanden absichtlich beleidigt habe und dass kein Tropfen Blut an meinen Händen klebt.“

Um sich für diese Arbeit zu qualifizieren, studierte Niebuhr in den 18 Monaten vor der Abreise der Expedition fleißig Mathematik, Kartographie und Astronomie bei Tobias Mayer (1723-1762), einem der größten Astronomen des 18. Jh. und Autor der Methode zur Bestimmung der geographischen Länge durch die Entfernung zum Mond. In dieser Vorbereitungszeit schafft es Niebuhr auch, sich einige Grundkenntnisse der arabischen Sprache anzueignen.

Carsten Niebuhr in jemenitischer traditioneller Kleidung.

Die „Reise nach Arabien“, wie Niebuhr seine Aufzeichnungen dieser Expedition nennt, findet von 1761 bis 1767 statt. Die Expedition gilt als die erste wissenschaftlich konzipierte Expedition eines europäischen Landes in den Nahen Osten. Organisiert wird die Reise durch den Orientalistik-Professor Johann David Michaelis aber die Finanzierung kommt von König Friedrich V. von Dänemark. Die weiteren Teilnehmer sind die Professoren Friedrich Christian von Haven (Philologe der arabischen Sprache) und Peter Forsskal (Botaniker und Zoologe), der Arzt Christian Cramer, der Zeichner Georg Wilhelm Baurenfeind und der Diener Berggren.

Von Kopenhagen geht es mit dem Kriegsschiff „Grønland“ durch die Ostsee, Nordsee, dem Atlantik und dem Mittelmeer nach Konstantinopel. Alle Teilnehmer der Gruppe sind gleichberechtigt und es kommt zu ersten Unstimmigkeiten. Diese werden durch Anweisungen der dänischen Regierung geschlichtet. Die Reise kann weitergeführt werden. Die nächste Station ist Kairo, wo die Gruppe ca. 2 Jahre verbringt, da es wieder ungelöste Fragen gibt. Die Zeit nutzen die Expeditionsteilnehmer für Aufzeichnungen und Forschungen in Unterägypten und dem Sinai. Außerdem werden Handschriften in verschiedenen Sprachen angekauft. Jeddah ist der nächste Halt der Gruppe bevor sie im Jemen ankommen. Bayt al-Faqih (50km südöstlich von Hudeida) wird zum Hautquartier. Von hier aus unternehmen sie Forschungsreisen im Jemen. Niebuhr vermerkt, dass die Stadt ein wichtiger Umschlagplatz für Kaffee ist.

Der Berg Husn Raydhan und die antike Stadt Zafar

Die Teilnehmer erkranken an einer ihnen noch unbekannten Krankheit. Sogar der Arzt kann Malaria nicht diagnostizieren. Niebuhr beschreibt sie als eine Erkältung mit Fieder, Erbrechen und Magenkrämpfe. 1763 sterben Friedrich Christian von Haven in Mokka und Peter Forsskal in Yarim. Anscheinend wollte Niebuhr die himyarische Hauptstadt Zafar erforschen.

Yarim liegt inmitten des Hochlands bei ca. 2.600 M.ü.M. und ist ein modernes, lokales Handelszentrum zwischen Sanaa und Taizz. 2009 war ich selbst in Yarim als ich an der Grabung in Zafar teilnahm. Zafar war die Hauptstadt des himyarischen Königreich (1. Jh. v. Chr. bis 570 n. Chr.) – eines der berühmten altsüdarabischen Königreiche. Die Landschaft ist atemberaubend. Meine Aufgabe bestand darin im Steingebäude die Steinmetzzeichen zu katalogisieren.

Die letzten vier Reisenden kommen schwerkrank in Sanaa an. Sie werden freundlich aufgenommen und bleiben ein Jahr als Gast des Imams. Sie wollen dennoch so schnell wie möglich weiter nach Mokka reisen, wo britische Schiffe auf dem Weg nach Indien anlegen. Sie schaffen es sogar auf eines dieser Schiffe, um nach Bombay zu kommen, doch Georg Wilhelm Baurenfeind und Berggren sterben ebenfalls an Malaria an Bord. Nur noch Cramer und Niebuhr gehen 1763 in Bombay von Bord. Trotz Behandlungen durch einen britischen Arzt stirb 1764 Christian Karl Kramer.

Obwohl Niebuhr nun allein ist, will er den Forschungsauftrag zu Ende führen und reist zurück gen Westen. Er ändert jedoch sein Reiseverhalten: er reist unauffälliger und kleidet sich als Einheimischer, nimmt weniger oft Kontakt mit den offiziellen Stellen und tauscht sich mehr mit der lokalen Bevölkerung aus. Er stellt umfangreiche Aufzeichnungen von Persepolis her. Im Jänner 1766 befindet er sich in Bagdad und im Juni schon in Aleppo. Er kontaktiert den neuen dänischen König, bietet ihm an das Katharinenkloster am Sinai und den Nil zu erforschen. Doch er bekommt keine weitere Finanzierung und begibt sich über Damaskus, Jerusalem und Zypern nach Konstantinopel. Auf dem Landweg geht es zurück nach Kopenhagen.

Als einziger Überlebender kommt Carsten Niebuhr nach Kopenhagen zurück. Auf der Basis seiner eigenen Aufzeichnungen und der seiner Mitreisenden (Karten, Abbildungen Kopien von Inschriften usw.) bereichert er das Wissen Europas über den Orient unglaublich stark. Seine Kopien der Inschriften sind für die späteren wissenschaftlichen Erforschungen sehr wertvoll. Für den Expeditionsorganisator Johann David Michaelis ist die Reise jedoch ein Flop, da die meisten Teilnehmer gestorben sind. Außerdem äußert er sich nie zu Niebuhrs Publikationen.

Auszug aus „Reise nach Arabien“ im Bezug aufs Brotbacken