Die 1001 Leben von Sir Richard Francis Burton

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200 Jahren ist Sir Richard Francis Burton geboren.

Richard Burton war so vielfältig bewandert, dass es nicht einfach ist ihn in eine Kategorie einzuordnen! Er war ein Forscher und Reisender aber genauso Übersetzer, Poet, Autor vieler Reiseberichte, Soldat bzw. Diplomat und auch Kartograf. Er wurde am 19. März 1821 im viktorianischen England geboren. Er entstammte einer gemischten Familie: Englische und irische Wurzeln vermischen sich eventuell mit französischen Ahnen. Er wuchs in Frankreich und Italien auf. Seine kontinentale Erziehung ließ ihn ambivalent gegenüber seiner nationalen Identität werden. Er kritisierte als Erwachsener sehr oft das britische Empire und nannte sich selbst „einen Streuner, einen Verirrten, ein Lichtschein ohne Brennpunkt“ und beklagte, dass „England das einzige Land ist, in dem ich mich nie zu Hause fühle.“ (www.britannica.com) Die gute Seite seiner Kindheit und Jugend fernab Englands war die Entwicklung seines erstaunlichen Talents für Sprachen.

Burton

(© www.britannica.com)

In einem Nachruf in der Zeitung Times wurde er als „einer der bemerkenswertesten Männer seiner Zeit“ betitelt. Da er ca. 35 Sprachen fließend sprach (die Anzahl variiert je nach Quelle zwischen 30 und 40 und bei der Unterscheidung Sprache und Dialekt), als erster Europäer nach Mekka pilgerte und die „1001 Nacht“ übersetze wundert es tatsächlich niemanden, dass Burton noch heute fasziniert. Er soll die Inspiration für Indiana Jones‘ Vater im Film Indiana Jones und der letzte Kreuzzug sein!

Burton in Indien

Als er 1840 ins Trinity College in Oxford ging, wo er aber aus mangelnder Disziplin zwei Jahre später verwiesen wurde, sprach er schon Englisch, Französisch, Italienisch, sowie die Dialekte Béarnais und Neapolitanisch und Griechisch und Latein. Er ging als Unteroffizier nach Indien, wo er Arabisch und lokale Sprachen erlernte. Als bevorzugter Nachrichtenoffizier von Sir Charles James Napier, dem Befehlshaber der englischen Truppen im Sindh, ging Kapitän Burton als muslimischer Händler verkleidet auf die Basare und brachte detaillierte Berichte zurück. Seine Fähigkeit sich gut verkleidet in seiner Umgebung einzufinden brachte ihn dazu die homosexuellen Bordelle in Karachi zu untersuchen. Für viele damals ein Skandal. Obwohl er dadurch keine politischen oder wirtschaftlichen Nachteile davontrug, erkannte Burton , dass sein Ruf irreparabel getrübt war und kehrte krank und untröstlich nach England zurück.

(© https://www.knerger.de /html/entdecker_.html)

(©https://interestingliterature. com/2016/11/five-fascinating-facts-about-sir-richard-burton/)

Reise nach Mekka

Nach einem längeren Aufenthalt bei seiner Mutter in Frankreich schmiedete er Pläne, um nach Mekka zu reisen. Als afghanischer Muslim getarnt, reiste er 1853 nach Kairo, Suez und Medina und dann über die von Banditen heimgesuchte Route in die heilige Stadt Mekka, wo er unter großem Risiko die Moschee und das muslimische Heiligtum, die Kabbah, vermaß und skizzierte. Obwohl er nicht der erste Nicht-Muslim war, der in Mekka eindrang und die Stadt beschrieb, war Burton der anspruchsvollste und genaueste.

Burton und die Nilquelle

Burton ist für viele im Bezug auf die Entdeckung der Nilquelle bekannt. 1855 plante er eine Expedition mit drei Offizieren der Britischen Ostindien-Kompanie, darunter John Hanning Speke, mit dem Ziel, durch das Somaliland vorzustoßen. Der erste Versuch scheiterte allerding nach einem Angriff, in dem Speke und Burton schwer verletzt wurden. Daraufhin kehrte dieser nach England zurück. Nach seiner Genesung ging er auf die Krim und kämpfte gegen Russland. Nach diesem Krieg wandte er sich wieder der Nilsuche zu und leitete 1857-58 zusammen mit John Speke eine Expedition von Sansibar ins Landesinnere. Als sie schließlich an den Ufern des Tanganjikasees ankamen, war Burton so krank von Malaria, dass er nicht laufen konnte, und Speke war praktisch blind. Krank und enttäuscht von der Information der Eingeborenen, dass der Rusizi-Fluss im Norden in den See mündet und nicht aus ihm heraus, wollte Burton zurückkehren und eine neue Expedition vorbereiten. Speke jedoch, der sich schneller erholt hatte, drang allein nach Nordosten vor und entdeckte den Viktoriasee, von dem er überzeugt war, dass er die wahre Quelle des Nils war. Burtons Unwilligkeit, diese Theorie ohne weitere Erkundungen zu akzeptieren, führte zu Streitigkeiten mit Speke und schließlich zu ihrer Entfremdung. Speke war der erste, der nach London zurückkehrte, wo er gelobt wurde, und weitere finanzielle Mittel erhielt, um nach Afrika zurückzukehren. Burton, der weitgehend ignoriert und dem die Finanzierung für eine neue eigene Erkundung verweigert wurde, fühlte sich verraten. Anscheinend war es im 19. Jh. üblich sich in Publikationen zu kritisieren, denn genauso wie Eduard Glaser und David Heinrich Müller hatten auch Burton und Speke nun eine öffentliche Fehde.

Routen, die von den Expeditionen von Burton und Speke (1857-58) und Speke und Grant (1863) genommen wurden.

(© http://scihi.org /richard-francis-burton-africa/)

Lady Isabel Burton (geb. Arundell)

Burton

(© Wikimedia, gemeinfrei)

Burtons Privatleben

1851 lernt er Isabel Arundell kennen. Doch erst 1856 kommen sie zusammen. Ihre Eltern waren gegen diese Verbindung, dennoch heirateten sie 1861 ohne ihr Einverständnis. Isabel folgte ihm auf seine Reisen so gut es ihr möglich war. Zu Isabel Arundell wird es einen eigenen Blogbeitrag geben. Sie steht in seinem Schatten, obwohl sie bei vielen Übersetzungen mitgewirkt hat. Deshalb lohnt es sich sie ebenfalls genauer vorzustellen.

Burton in Westafrika und Brasilien

Burton trat kurz nach der Eheschließung in das britische Außenministerium als Konsul in Fernando Po ein, einer spanischen Insel vor der Küste Westafrikas. Während seiner drei Jahre dort unternahm er viele kurze Erkundungsreisen nach Westafrika und sammelte genug Material, um fünf Bücher über Geburt, Heirat und Tod, sowie Fetischismus, Ritualmord, Kannibalismus und bizarre Sexualpraktiken der Einheimischen zu füllen.

Ab 1864 verbrachte Burton vier Jahre als Konsul in Brasilien, wo er die Werke des romantischen portugiesischen Dichters und Entdeckers Luís de Camões, mit dem er sich tief verwandt fühlte, übersetzte. Doch seine Arbeit half ihm nicht, seine zunehmende Abneigung gegen Brasilien zu überwinden. Er begann zu trinken, und schließlich schickte er seine ihm treu ergebene Frau nach London, um einen besseren Posten für ihn zu bekommen. Es gelang ihr, den Außenminister zu überreden, Burton zum Konsul in Damaskus zu ernennen.

Luís de Camões (© Wikimedia, gemeinfrei)

(© https://www.knerger.de /html/entdecker_.html)

Burton zurück im geliebten Orient

Zurück im Nahen Osten ist Burton eine Zeit lang ein sehr erfolgreicher Diplomat; doch muslimische Intrigen, verkompliziert durch die bekehrenden Taktlosigkeiten seiner Frau (sie versuchte ihre Umgebung zum römisch-katholischen Glauben zu konvertieren), führen zu seiner demütigenden Entlassung im August 1871.

Triest und Burtons Lebensende

Im Jahr 1872 nahm Burton widerwillig das Konsulat in Triest an, und obwohl er es als schmachvolles Exil betrachtete, wurde es schließlich zu seiner Heimat. Dort blieb er bis zu seinem Tod und veröffentlichte eine erstaunliche Vielfalt an Büchern. In Triest entpuppte er sich als ein Übersetzer von außerordentlicher Virtuosität. Er sah es als seine Aufgaben den Westen die sexuellen Weisheiten und die Kunst der Liebe anderer Kulturen vorzustellen. Er riskierte dadurch Verfolgung und Gefängnis um das Kamasutra von Vatsyayana (1883), Ananga Ranga (1885) und The Perfumed Garden of the Cheikh Nefzaoui (1886) zu übersetzen und heimlich zu drucken. Er veröffentlichte auch offen, aber privat, eine ungekürzte 16-bändige Ausgabe der Tausendundeine Nacht (1885-88), deren Übersetzung wegen ihrer Treue, ihrer männlichen Kraft und ihres literarischen Könnens so außergewöhnlich war, dass sie alle Konkurrenten verscheuchte.

Im Februar 1886 erhielt Burton eine verspätete Anerkennung für seine Verdienste um die Krone, als Königin Victoria ihn zum Knight Commander of St. Michael and St. George ernannte. Er starb vier Jahre später am 20. Oktober 1890 in Triest.

Das Paar ist in Mortlake, im Südwesten Londons, in einem auffälligen, beduinenzeltähnlichen Grab beigesetzt.

(© https://www.knerger.de /html/entdecker_.html)

2021-04-21T23:09:52+02:0019. März 2021|Heute vor ...|

Ein Kommentar

  1. […] wurde im Archeonews ihr Mann, Sir Richard Francis Burton, vorgestellt. Er wurde 10 Jahre und 1 Tag vor ihr geboren teilte aber genauso die Leidenschaft […]

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